Texte für deine Website schreiben: 5 Fehler, die Besucher vertreiben (und wie du es besser machst)

Portrait von Andreas Kilkeew, Geschäftsführer und Creative Director bei Dein Blickfänger
Andreas Kilkeew
October 7, 2026
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6
min Lesezeit
Aquarell: Graues Entlein mit Logo am Schreibtisch vor Laptop mit Textwand und zerknüllten Papieren

Deine Website ist gebaut, das Design sitzt – und trotzdem meldet sich kaum jemand. Oft liegt das nicht an der Optik, sondern an den Texten. Besucher entscheiden in Sekunden, ob sie hier die Antwort auf ihr Problem finden. Dieser Beitrag zeigt dir fünf Textfehler, die genau das verhindern, jeweils mit einem Vorher-Nachher-Beispiel, einer Checkliste zum Abhaken und Hinweisen, wie dieselben Texte auch in KI-Suchsystemen besser funktionieren.

Kurzantwort: Besucher lesen Websites nicht, sie überfliegen sie. Deine Texte funktionieren, wenn sie in den ersten Sätzen sagen, wem du wobei hilfst, konkret statt vage formulieren, ohne Fachjargon auskommen, klar gegliedert sind und mit genau einem nächsten Schritt enden.

Warum Besucher deine Texte nur überfliegen

Die Nielsen Norman Group, ein anerkanntes Forschungsinstitut für Usability, hat untersucht, wie Menschen Webseiten lesen. Ergebnis: 79 Prozent der Testpersonen überflogen jede neue Seite, nur 16 Prozent lasen Wort für Wort. Als Gegenmittel empfiehlt die Gruppe unter anderem aussagekräftige Zwischenüberschriften, Aufzählungen, einen Gedanken pro Absatz und die wichtigste Aussage zuerst. Werbesprache empfanden die Testpersonen als störend, weil sie erst die Übertreibung herausfiltern müssen, um an die Fakten zu kommen (Quelle).

Für deine Texte heißt das: Sie müssen auch dann funktionieren, wenn jemand nur Überschriften und die ersten Wörter jedes Absatzes sieht.

Fehler 1: Du schreibst aus Firmenperspektive

„Wir sind seit 1998 ein inhabergeführtes Unternehmen mit Leidenschaft für Qualität.“ Das ist für dich wichtig, für Besucher aber zweitrangig. Sie fragen sich: Ist das hier für mich? Löst es mein Problem?

  • Vorher: „Wir sind ein inhabergeführter Betrieb mit langjähriger Erfahrung und bieten umfassende Lösungen rund um die Gartenpflege.“
  • Nachher: „Dein Garten sieht das ganze Jahr gepflegt aus, ohne dass du am Wochenende selbst Hand anlegen musst. Wir kümmern uns um Rasen, Hecken und Beete.“

So gehst du vor: Zähle in deinem Starttext die Wörter „wir“ und „unser“ gegen „du“ und „dein“. Dreh Sätze um, bis der Nutzen für den Besucher vorne steht. Das heißt nicht, dass du dich verstecken sollst. Der Über-uns-Bereich darf von dir erzählen, die Startseite nicht.

Fehler 2: Deine Versprechen sind vage

„Individuelle Lösungen“, „höchste Qualität“, „persönlicher Service“: Solche Sätze könnten auf jeder Website stehen, deshalb sagen sie nichts. Dazu passt der Befund der Nielsen Norman Group, dass Besucher sachliche, konkrete Sprache bevorzugen. In ihren Tests verbesserte sachliche Sprache die Usability um 27 Prozent, prägnantes Schreiben um 58 Prozent, ein scannbares Layout um 47 Prozent. Alle drei zusammen kamen auf 124 Prozent (Quelle).

  • Vorher: „Wir bieten individuelle Lösungen in höchster Qualität.“
  • Nachher: „Du bekommst innerhalb von zwei Werktagen ein schriftliches Angebot, und wir halten den vereinbarten Festpreis ein.“

Mach ein Versprechen nur, wenn du es überprüfbar machen kannst: ein Zeitraum, ein Umfang, ein Ergebnis. Wenn du keinen konkreten Beleg hast, streich den Satz.

Fehler 3: Es fehlt ein klarer nächster Schritt

Viele Seiten enden einfach. Der Besucher hat verstanden, was du tust, und weiß dann nicht, was er tun soll. Oder es gibt fünf Möglichkeiten gleichzeitig: anrufen, Formular, Newsletter, Social Media, Blog.

  • Vorher: „Bei Interesse melden Sie sich gerne bei uns oder folgen Sie uns auf Social Media.“
  • Nachher: „Schick uns zwei Sätze zu deinem Garten. Du bekommst innerhalb von zwei Werktagen eine Rückmeldung. Jetzt Anfrage senden“

Lege pro Seite einen Hauptschritt fest und nenne ihn im Button konkret („Angebot anfragen“ statt „Absenden“). Schreibe dazu, was danach passiert. Das senkt die Hemmschwelle. Warum Besucher trotz guter Inhalte nicht anfragen, haben wir in einem eigenen Beitrag aufgeschlüsselt.

Fehler 4: Du benutzt Fachjargon

Wer jeden Tag mit seinem Thema arbeitet, hält Fachbegriffe für selbstverständlich. Deine Kundschaft sucht aber nach ihrem Problem, nicht nach deinem Fachwort.

  • Vorher: „Wir optimieren Ihre Prozesslandschaft durch ganzheitliche Digitalisierung der Wertschöpfungskette.“
  • Nachher: „Wir sorgen dafür, dass Rechnungen und Aufträge nicht mehr per Hand von einem Programm ins nächste übertragen werden müssen.“

Teste es: Würde ein Freund aus einer anderen Branche den Satz beim ersten Lesen verstehen? Wenn ein Fachbegriff nötig ist, erkläre ihn einmal in einem halben Satz.

Fehler 5: Textwände ohne Struktur

Lange Absätze ohne Überschriften schrecken beim Überfliegen ab. Die Informationen sind vielleicht da, aber niemand findet sie.

  • Vorher: Ein einziger Absatz mit zehn Zeilen, in dem Leistungen, Preise, Ablauf und Einzugsgebiet ineinander übergehen.
  • Nachher: Vier Zwischenüberschriften („Was wir machen“, „Was es kostet“, „So läuft es ab“, „Wo wir arbeiten“), darunter jeweils zwei bis vier kurze Sätze oder eine Aufzählung.

Das entspricht den Empfehlungen der Nielsen Norman Group: aussagekräftige Zwischenüberschriften, Listen, ein Gedanke pro Absatz. Wichtig ist, dass Überschriften den Inhalt benennen. „Unsere Philosophie“ sagt nichts, „So läuft dein Projekt ab“ schon.

Checkliste: Dein Text in fünf Minuten geprüft

  • Steht in den ersten zwei Sätzen, wem du wobei hilfst?
  • Kommen „du/dein“ häufiger vor als „wir/unser“?
  • Ist jedes Versprechen konkret und überprüfbar?
  • Gibt es pro Seite genau einen Hauptschritt, und sagt der Button, was passiert?
  • Würde ein Branchenfremder jeden Satz verstehen?
  • Sind Absätze kurz und Überschriften inhaltlich aussagekräftig?
  • Kommt die wichtigste Aussage zuerst?

So werden deine Texte auch für KI-Suche besser

KI-Suchsysteme und klassische Suchmaschinen müssen Inhalte schnell einordnen und Antworten herausziehen können. Was Menschen beim Überfliegen hilft, hilft dabei vermutlich ebenfalls: klare Struktur und direkte Antworten. Eine Garantie für Sichtbarkeit gibt es nicht, aber diese Gewohnheiten kosten wenig:

  • Frage-Antwort-Struktur: Formuliere Überschriften als Fragen, die deine Kundschaft tatsächlich stellt („Was kostet eine Gartenpflege im Jahr?“), und beantworte sie direkt darunter.
  • Kurzantwort zuerst: Beginne mit ein bis zwei Sätzen, die die Frage vollständig beantworten, danach folgen Details.
  • Eindeutige Aussagen: Schreibe Leistung, Ort und Zielgruppe ausdrücklich hin, statt sie nur anzudeuten.

Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zu AEO und GEO.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Text auf der Startseite sein?

So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Entscheidend ist, dass die Kernaussage ohne Scrollen verständlich ist und weiterführende Details unter klaren Überschriften folgen.

Soll ich siezen oder duzen?

Das hängt von deiner Zielgruppe ab. Wichtiger als die Anrede ist, dass du konsequent bleibst und den Besucher direkt ansprichst.

Muss ich alle Seiten auf einmal überarbeiten?

Nein. Beginne mit Startseite und deiner wichtigsten Leistungsseite, denn dort entscheiden sich die meisten Besuche.

Quellen

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