Neue KI-Regeln gegen gefälschte Quellen: Was das für deine Sichtbarkeit heißt

Portrait von Andreas Kilkeew, Geschäftsführer und Creative Director bei Dein Blickfänger
Andreas Kilkeew
October 11, 2026
•
5
min Lesezeit
Aquarell: Graues Entlein reißt eine Pappfassade von falschen Zeitungskiosken, daneben ein echtes Schaufenster mit Dankeskarten und das Schild „Echt statt gefälscht“

Wer in ChatGPT, Claude oder den KI-Antworten von Google genannt werden will, sucht nach Abkürzungen. Eine davon klingt verlockend: viele Seiten aufbauen, die scheinbar unabhängig voneinander dasselbe über dein Unternehmen sagen, damit eine KI es für einen Konsens hält. Genau dagegen ziehen die Anbieter jetzt Grenzen. Anthropic hat am 8. Oktober 2026 neue Nutzungsregeln für sein KI-Modell Claude veröffentlicht, die ab dem 12. November gelten. Darin steht erstmals ausdrücklich ein Verbot, die Quellen von Suchmaschinen und KI-Systemen mit getarnten Inhalten zu manipulieren.

Für kleine Unternehmen ist das keine Randnotiz aus dem Silicon Valley. Es zeigt, in welche Richtung sich Sichtbarkeit in KI-Antworten entwickelt: Was echt und nachvollziehbar ist, gewinnt. Was nur so aussieht, wird zum Risiko.

Kurzantwort: Anthropic verbietet ab dem 12. November 2026, Claude für Kampagnen zu nutzen, die Suchmaschinen und KI-Systemen gefälschte oder scheinbar unabhängige Quellen unterschieben, etwa Netzwerke von Seiten, die sich gegenseitig bestätigen, oder gefälschte Bewertungen. Google stuft Versuche, KI-Antworten in der Suche zu manipulieren, bereits als Spam ein. Für dich heißt das: Setze auf echte Bewertungen, eigene Inhalte mit klarer Urheberschaft und Erwähnungen, die du dir verdienst, statt sie zu inszenieren.

Was genau hat Anthropic geändert?

Die neuen Nutzungsregeln enthalten einen eigenen Abschnitt mit dem Titel „Do Not Engage in Deceptive Campaigns or Artificial Activity“, sinngemäß: keine täuschenden Kampagnen und keine künstlich erzeugte Aktivität. Laut Anthropic gilt er für Täuschung jeder Art, ob politisch oder kommerziell. Vorher waren ähnliche Verbote auf mehrere Abschnitte zu Wahlen, Betrug, Datenschutz und Desinformation verteilt. Jetzt stehen sie gebündelt an einer Stelle.

Verboten ist unter anderem, gefälschte Personen, Konten, Medien oder Organisationen zu betreiben. Als Beispiele nennt die Richtlinie ausdrücklich Sockenpuppen, Astroturfing, gefälschte Bewertungen und Bots, die sich als Menschen ausgeben. Ebenfalls verboten ist, Inhalte über Netzwerke scheinbar unabhängiger Kanäle zu verbreiten, um eine gemeinsame Herkunft zu verschleiern.

Neu und für Marketing besonders relevant ist dieser Punkt: Untersagt ist, die Quellen zu manipulieren, aus denen Suchmaschinen oder KI-Systeme ihre Antworten ziehen, indem man sie mit Inhalten füttert, die Herkunft, Urheberschaft oder Unabhängigkeit falsch darstellen. Als Beispiel nennt Anthropic Netzwerke von Seiten, die sich als voneinander unabhängige Quellen ausgeben und dieselben Behauptungen bestätigen. Auch wer Werkzeuge für solche Kampagnen baut oder sie als Dienstleistung verkauft, verstößt gegen die Regeln.

Warum gerade jetzt?

Laut Search Engine Journal verknüpft Anthropic den neuen Abschnitt mit seinem Bedrohungsbericht vom September. Darin beschreibt das Unternehmen rund 70 Websites, die sich als unabhängige Lokalnachrichten ausgaben und mit einer Werbeagentur in Frankreich in Verbindung standen. Mit Claude erzeugte Artikel in einheitlichem Format wurden automatisch veröffentlicht, jeweils mit drei bis vier internen Links. Ziel war laut Bericht, die Autorität der Seiten in Suchmaschinen zu steigern. Es entstanden mindestens 8.913 Artikel in rund 20 Sprachen, die meisten mit wenig Resonanz. Anthropic sperrte das Konto und die zugehörige Organisation.

Ob die Seiten tatsächlich besser rankten oder in KI-Antworten auftauchten, sagt der Bericht laut Search Engine Journal nicht. Das Muster dürfte dir trotzdem bekannt vorkommen. Angebote, die „Erwähnungen in KI-Antworten“ über Artikel-Netzwerke versprechen, sind in den letzten Monaten häufiger geworden.

Wie passt das zu den Regeln von Google?

Google geht das Thema von der anderen Seite an. In den Spam-Richtlinien für die Google-Suche gilt der Versuch, generative KI-Antworten in der Google-Suche zu manipulieren, ausdrücklich als Spam. Dazu kommt der Missbrauch durch massenhaft erzeugte Inhalte, also Seiten, die vor allem dazu dienen, Rankings zu beeinflussen, statt Nutzern zu helfen.

Der Unterschied liegt darin, wen es trifft. Anthropic setzt seine Regeln gegenüber den Nutzern von Claude durch und kann den Zugang einschränken oder sperren. Google setzt seine Richtlinien gegenüber Websites durch. Wer erwischt wird, kann Rankings verlieren oder ganz aus den Ergebnissen verschwinden. Im schlimmsten Fall trifft es also nicht nur das Netzwerk, sondern auch deine eigene Website, auf die es verlinkt.

Was heißt das für dein Unternehmen?

Die meisten kleinen Unternehmen planen keine Desinformationskampagnen. Die Grauzone beginnt aber früher, als viele denken. Ein paar Beispiele aus dem Alltag, bei denen du genau hinschauen solltest:

  • Bewertungen, die Bekannte oder Mitarbeitende unter falschem Namen schreiben, oder gekaufte Bewertungspakete.
  • Gastbeiträge auf mehreren Portalen, die nach unabhängigen Empfehlungen aussehen, aber aus derselben Feder stammen und nicht als Werbung erkennbar sind.
  • Agenturangebote, die Sichtbarkeit in ChatGPT über „Netzwerke redaktioneller Seiten“ versprechen, ohne offenzulegen, wem diese Seiten gehören.
  • Vergleichsseiten, auf denen du scheinbar neutral auf Platz eins landest, obwohl du sie selbst betreibst.

Nichts davon ist neu verboten, weil Anthropic seine Regeln ändert. Täuschende Werbung und gefälschte Bewertungen sind auch nach deutschem Wettbewerbsrecht problematisch. Neu ist, dass die großen KI-Anbieter das Thema ausdrücklich adressieren. Für dich ist das ein guter Anlass, Angebote von Dienstleistern kritisch zu prüfen. Frag konkret nach, auf welchen Seiten Inhalte erscheinen, wem sie gehören und ob sie als Werbung gekennzeichnet sind.

Was wirkt stattdessen in KI-Antworten?

KI-Systeme stützen sich auf das, was im Netz über dich zu finden ist. Daraus folgt ein ehrlicher und dauerhaft tragfähiger Weg. Erstens: Deine eigene Website muss klar sagen, wer du bist, was du anbietest, für wen und wo. Strukturierte Daten helfen Maschinen, das richtig einzuordnen. Zweitens: Echte Bewertungen auf Google und anderen Plattformen sind ein starkes Signal, weil sie von unabhängigen Menschen stammen. Drittens: Erwähnungen in echten Medien, Verbänden, Branchenverzeichnissen oder bei Partnern entstehen durch gute Arbeit und gute Pressearbeit, nicht durch gekaufte Seitennetze.

Wie du prüfst, was ChatGPT und andere Chatbots heute über dich finden, beschreibt der Beitrag Wie KI-Chatbots Infos finden: GEO-Check für deine Website. Wie du echte Bewertungen sammelst, ohne Kunden zu nerven, steht in Mehr Google-Bewertungen bekommen, ohne aufdringlich zu sein.

Häufige Fragen

Darf ich Claude oder ChatGPT weiterhin für meine Blogtexte nutzen?

Ja. Die neuen Regeln von Anthropic richten sich gegen Täuschung über Herkunft, Urheberschaft oder Unabhängigkeit von Inhalten, nicht gegen KI-gestütztes Schreiben an sich. Wichtig bleibt, dass du Inhalte prüfst, für sie geradestehst und sie unter deinem eigenen Namen veröffentlichst.

Ab wann gelten die neuen Regeln?

Anthropic hat die Änderungen am 8. Oktober 2026 veröffentlicht. Sie treten am 12. November 2026 in Kraft.

Ist es verboten, Kunden um Bewertungen zu bitten?

Nein. Echte Kunden um eine ehrliche Bewertung zu bitten, ist sinnvoll und üblich. Problematisch sind gefälschte Bewertungen, gekaufte Bewertungen und Bewertungen unter falschem Namen.

Quellen

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